Flugreisen sind zu billig

Seitenblick des Präsidenten - Kolumne in der AeroRevue 11/2018
01.01.2019

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass wir im Alltag viel klimawirksame Emissionen produzieren. In der Schweiz sind das im Schnitt pro Einwohner rund 6 Tonnen pro Jahr. Eine bedeutende Menge CO2 Emissionen verursacht das Fliegen. Für einen Flug Zürich – Rom retour entstehen 357 Kilo CO2 (myclimate). Eine Zahl, die den Normalbürger kaum ab-schreckt, diesen Flug für mickrige 80 Franken zu buchen. Ein
Schnäppchen, für einen Städtetrip verlockend, zum Pendeln wie geschaffen. Der Preisvergleich mit der Bahn wirkt geradezu grotesk. Ganze 394 Franken müsste ich für ein Bahnticket retour hinblättern. Seien wir ehrlich – das Fliegen ist zu billig.

In der Wintersession ist das neue CO2-Gesetz, das die Verminderung der Treibhausgasemissionen regelt, traktandiert. Mit der Genehmigung des Übereinkommens von Paris haben wir dem Ziel zugestimmt, dass die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 50 % gegenüber 1990 vermindert werden sollen. Dazu ist eine Totalrevision des CO2-Gesetzes und ein mit der EU verknüpftes geregeltes Emissionshandelssystem (EHS) vorgesehen. Der Bundesrat möchte zwar auch die Betreiber von Luftfahrzeugen zur Teilnahme am EHS verpflichten – Ausnahme sind unter anderem Flüge, die nach Sichtflugregeln durchgeführt werden. Doch eine ausdrückliche Lenkungsabgabe auf Flugtickets ist nicht geplant. Es verwundert daher nicht, dass eine Minderheit im Nationalrat diese Flugticketabgabe mittels Antrag fordert. Bereits heute kennen diverse europäische Länder zusätzliche Abgaben. Wobei es sich aber mehrheitlich um eine Luftverkehrssteuer handelt und damit die Staatskasse aufgepäppelt wird. Dies widerspricht jedoch der Idee einer Lenkungsabgabe, die das Ziel verfolgt, das Verhalten der Abgabepflichtigen in eine bewusste Richtung zu lenken.

Da stellt sich natürlich die Frage, wie die Passagiere auf einen solchen Preisanstieg reagieren würden und ob sie ihr Verhalten auch tatsächlich ändern. Die Lenkungswirkung, also zum Beispiel das Umsteigen auf die Bahn, kann folglich nur durch einen hohen Zuschlag entstehen. Weicht der Fluggast einfach auf einen ausländischen Flughafen aus, würde die ganze Lenkungswirkung verpuffen. Ich bin der Ansicht, dass eine Flugticketabgabe durchaus ein guter Ansatz wäre. Solange sich jedoch nicht die weltweite Luftfahrt in dieser Frage koordiniert, schaffen solche Abgaben ungleich lange Spiesse und wirtschaftliche Nachteile. Dies gilt es zu vermeiden. Daher wird das Parlament diesen Antrag wohl abschmettern.